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Meine Cover - Einführung und Anfänge

Eigentlich bin ich kein visueller Mensch. Das mag merkwürdig klingen für eine Fotografin, als die ich mich ja auch betrachte. Aber ich habe zum Beispiel extreme Schwierigkeiten, mir Gesichter zu merken. Falls ich also mal grußlos an euch vorbeilaufe - ist keine Absicht und nicht böse gemeint. ;-)

Bei Büchern (und Fotos natürlich) bin ich dagegen ein sehr visueller Mensch. In der Buchhandlung ist das Cover für mich zu allererst entscheidend, ob ich nach einem Buch greife oder nicht. Erst wenn mich das Äußere anspricht, registriere ich den Titel. Finde ich den interessant, lese ich auch den Rückseitentext. Wahrscheinlich entgehen mir deshalb eine Menge spannender Romane - aber klar ist: Das Cover ist für mich ein ausschlaggebendes Kriterium.

 

Meine Fischland-Krimis waren ja nicht meine ersten Veröffentlichungen, davor waren bereits vier Romane bei Bastei-Lübbe erschienen (drei davon schönerweise als E-Books wieder erhältlich!). Dort funktionierte das mit dem Cover recht einfach: Ich mache mir während ich schreibe so ganz für mich meine Gedanken, was denn passen und wie es aussehen könnte. Dann ist das Manuskript fertig, der Verlag entwirft was Schickes, fragt pro forma, ob's denn mir als Autorin auch gefiele - und gut.

Zugegeben: Ich hatte und habe keine Ahnung von Marketing, PR und Werbung und davon, was die Leser*innen da draußen geradezu magisch anzieht. Es hätte mich also nicht wundern sollen, dass ich 1. als Autorin nie ernsthaft gefragt wurde und deshalb 2. das Endergebnis nicht unbedingt meinen Vorstellungen und/oder meinem Geschmack entsprach.

 

Das klingt jetzt, als hätten mich meine Lübbe-Cover nicht begeistert, aber das stimmt nur zur Hälfte.

 

Gleich das erste, nämlich das zu "Eileens Geheimnis" (Arbeitstitel "Eileens Zauber"), ist die berühmte Ausnahme von der Regel, dass es nie so wird wie gedacht. Für diesen Roman hatte ich sogar zwei Entwürfe gestaltet, basierend auf einem Foto, das ich auf Guernsey von jenem Grab gemacht hatte, das im Roman eine so große Rolle spielt: Der Protagonist Daniel findet nämlich im Nachlass seines Vaters ein Bild dieses Grabes, ohne dass er etwas damit anfangen kann, und macht sich auf die Suche nach der toten Eileen.

Hier seht ihr meine beiden Entwürfe und schließlich das tatsächliche Cover.

 

Das alles bestimmende Element, nämlich das keltische Grabkreuz, ist also tatsächlich da, auch wenn ich mir das Ganze nicht so blau vorgestellt hatte. Außerdem überraschte mich die Größe meines Namens. Denn wie oben gesagt ist das zweite, worauf ich nach dem Cover achte, der Titel, nicht der oder die Autor*in. Da ich noch dazu zu diesem Zeitpunkt vollkommen unbekannt war, hätte ich es sinnvoller gefunden, den Titel herauszustellen. Von diesen Kleinigkeiten abgesehen fand ich das Cover aber richtig gut.

Der Roman wurde dann noch von Weltbild  im Hardcover veröffentlicht und bekam einen anderen Umschlag, aber auch dort blieb ein keltisches Motiv.

 

Jahre später gab es eine auf limitierte Zeit angelegte und ausschließlich für den Tolino bestimmte E-Book-Ausgabe, die wiederum ein Grabkreuz ziert.

 

Auf der zurzeit erhältlichen Ausgabe von "Eileens Geheimnis" (herausgegeben von hockebooks) ist gar nichts Keltisches zu sehen. Die Kirche hat allerdings sehr große Ähnlichkeit mit jener, auf deren Friedhof Eileen tatsächlich begraben liegt - in der Gemeinde St. Martin auf Guernsey.

Mein zweiter Roman war "Das Erbe von Ragusa". Dies ist die Geschichte von Nella, die von ihrer Mutter eine geheimnisvolle Perlenkette erbt, die sie nicht nur zu dem attraktiven und nicht minder geheimnisvollen Antiquitätenhändler Safet, sondern auch nach Dubrovnik und schließlich tief in die Vergangenheit des 16. Jahrhunderts führt.

 

Dubrovnik ist eine tolle Stadt, man kann sich nicht sattsehen an Altstadt, Stadtmauer, die sie umspülenden Wellen, den Türmen, Klöstern und Kirchen. So viele Motive, die das Cover hätten zieren können. Hier seht Ihr wieder zwei Bilder, die ich mir gut vorstellen konnte - und das echte Cover.

 

Von der Verlagsversion war ich enttäuscht. Ich verstand zwar das Konzept: Jedes Buch sollte offenbar von einer bestimmten Farbe geprägt sein, erst blau, jetzt grün, und der Name sollte Programm sein, nicht der Titel. Aber das Cover wirkte auf mich extrem düster. Abgesehen davon, dass das nur in Teilen die Atmosphäre des Romans widerspiegelt, der durchaus seine humorvollen Momente hat, weckt es wegen der gedeckten und recht eintönigen Farbe überhaupt keine Aufmerksamkeit. Vor allem aber setzt es bei Leser*innen Erwartungen frei, die nicht erfüllt werden. "Das Erbe von Ragusa" ist trotz der Vergangenheitsteile definitiv kein historischer Roman, was allerdings das Cover eindeutig suggeriert.

"Ragusa" wurde später zweimal neu veröffentlicht - wie "Eileen" zunächst exklusiv für den Tolino und dann später bei hockebooks.

 

Das Tolino-Cover lehnte sich an den historischen Touch des Originals an, legt aber einen deutlicheren Schwerpunkt auf "Frauen-Roman" und ist in den Farben weit ansprechender.

 

Auch die aktuelle hockebooks-Version vom "Erbe von Ragusa" betrachtet den Aspekt "Frauen" und löst sich nicht von der Historie. Aber sie zeigt endlich, endlich das, was ich mir schon ganz zu Anfang gewünscht hatte: Dubrovnik!

Das Cover wirkt lebendig und farbenfroh und spiegelt damit das Leben in dieser unglaublichen Stadt am besten wider.

"Die geheimen Schlüssel" führt die an Amnesie leidende Juta auf der Jagd nach rätselhaften uralten Schlüsseln quer durch Europa: Salzburg, Bath, Paris, Rom, Split. Damit bietet dieser Roman wohl die größte Auswahl für ein schauplatzorientiertes Cover. Das war nämlich immer genau das, was ich mir - bewusst oder unbewusst - für meine Bücher gewünscht habe: Sie sollen gleich vorn zeigen, welcher Ort drinnen auf die Leser*innen wartet.

 

Tatsächlich hatte Bastei-Lübbe in diesem Fall dieselbe Idee. Das Cover zeigt ein Grabmal auf dem Père Lachaise in Paris, auf dem Juta und ihr Begleiter Leon einen wichtigen Hinweis auf den nächsten Schlüssel finden. Leider allerdings weicht man nicht vom einmal gefassten Konzept der Farbgestaltung ab, was dazu führt, dass der einzige bleibende Eindruck das übermächtige Gelb ist, hinter dem das eigentlich sehr schöne Motiv leider zur Bedeutungslosigkeit verkommt. Außerdem ist der Titel nur mit Mühe zu entziffern. Allenfalls bereitet dieses Cover die Leser*innen auf einen gemächlichen Herbstspaziergang vor, keinesfalls auf eine spannende Europa-Reise. Hätte ich einen Schauplatz wählen können, hätte ich mich für Salzburg entschieden, weil dort für Juta alles seinen Anfang nahm. Die Schlüssel dagegen nahmen ihren Anfang in Rom.

Auch die "Schlüssel" wurden wieder zuerst für den Tolino und dann von hockebooks veröffentlicht.

 

Die Tolino-Version lehnt sich sowohl in Farbe als auch Motiv an das Original-Cover an, allerdings ist das Gelbgrün ungleich dezenter und der Titel viel besser zu erkennen.

 

Das neueste Cover der "Geheimen Schlüssel" legt mit dem wiederkehrenden Frauenkopf erneut den Schwerpunkt auf die Leserinnen - und zeigt wunderbarerweise tatsächlich Salzburg. In einer weit freundlicheren Version als die von mir oben gewählte, aber das passt, denn alle meine Romane zeichnet aus, dass neben Spannung auch der Humor nicht zu kurz kommt.

 

Der letzte bei Bastei-Lübbe erschienene Roman ist zugleich mein erster "Fischländer". Zwar hat "Die verborgene Kammer" absolut nichts mit meinen Krimis zu tun und spielt auch in einer vollkommen anderen Welt. Dennoch ist er der Anfang von allem. Ohne die "Kammer" gäbe es meine Krimis nicht.

 

Zugleich trägt die "Kammer" auch mein absolutes Lübbe-Lieblings-Cover!

 

Zugegebenerweise war es keine Liebe auf den ersten Blick, denn noch mehr als bei den vorigen Romanen hatte ich beim Schreiben ein ganz bestimmtes Bild vor Augen, nämlich das der "Kranichburg" - jenem Haus, das Viktoria und Roman je zur Hälfte erben, allerdings nur dann, wenn sie eine gewisse Zeit gemeinsam darin wohnen. Inspiriert hat mich zur "Kranichburg" die "Villa Daheim" in der Wustrower Strandstraße. Ich hätte es also toll gefunden, wenn sie auch das Buch geziert hätte. Fast genauso gern hätte ich ein Ostseebild gehabt.

 

Dann kam das Cover vom Verlag. Nicht nur, dass es vollkommen anders war als gedacht, obwohl die abgebildete Kammer natürlich durchaus gut zum Titel passte. Aber es hatte auch noch diese schimmernde Oberfläche, die man nur sieht, wenn man das Buch tatsächlich in der Hand hält. Und es stand "Romantic Thrill" drauf. Ich hätte schreien können. Doch dann machte es "Klick". Es war genial! "Romantic Thrill" war genau das, was drinstand - die Geschichte ist romantisch und spannend, und die abgebildete Kammer wirkt wie die, die ich beschrieben habe - klein, verstaubt und verlassen und ein bisschen geisterhaft.

Sagte ich eben geisterhaft? Ich habe hier noch eine Version des Covers, auf dem man die schimmernde - und irgendwie geisterhafte - Oberfläche zumindest erahnen kann.

 

Das Cover daneben zeigt die Weltbild-Ausgabe, die im Rahmen einer Sonderedition "Familiengeheimnisse" erschienen ist. Völlig anders gestaltet, mag ich es trotzdem gern, weil es die romantische Verlassene-Kammer-Atmosphäre ebenfalls schön wiedergibt.

 

Ein E-Book von der "Kammer" gibt es (noch) nicht. Aber es gibt schon einen Vertrag dafür, und ich bin gespannt aufs Cover! ;-)

 

Zum Abschluss dieses ersten Teils über meine Cover zeige ich Euch das meines bisher einzigen "E-Book Only": "Allein mit der Mafia". Dieser Roman lag lange, lange in der Schublade, bis er 2013 bei hockebooks das Licht der Welt erblicken durfte. Anna wird von der Mafia entführt, und als ihr Vater das Lösegeld nicht zahlen kann, muss sie den Sohn des Paten heiraten. Eigenlich liebt sie ja die rechte Hand des Paten, aber danach wird nicht gefragt, weder in Berlin noch im Straßengewirr Neapels.

 

Auch hier hatte ich bestimmte Vorstellungen (mein Entwurf links), die erheblich von denen des Verlags abwichen. Aber anders als bei den vorherigen Erfahrungen hatte ich hier Mitspracherecht, und das Ergebnis gefällt mir - inklusive der ausgefallenen Schrifttype - ausgesprochen gut.

Ursprünglich hatte ich die Idee, Euch hier Folgendes zu meinen beiden Krimi-Reihen zu zeigen (und damit auch deutlich zu machen, wie Emons mich in die Cover-Gestaltung einbezieht):

  • die Bilder, die ich mir für die einzelnen Cover vorgestellt habe,
  • die Originalbilder im Vergleich zu den fertigen Covern,
  • die Unterschiede zwischen den alten und neuen Emons-Versionen
  • die neuen Emons-Versionen als "Gesamtpaket", also mit Rückseitentext und allem, was dazu gehört.

Zur Einführung wollte ich nur kurz meine allerersten Cover-Erfahrungen schildern. Aus "nur kurz" ist nun sehr lang geworden...

Und die Krimi-Cover folgen in den weiteren Blog-Beiträgen, die ich mich schon freue zu schreiben!