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Leuchtfeuer

Kassandra zeigte die Seebrücke hinunter. »Wenn Sie die noch so jungfräulich fotografieren wollen, müssen Sie sich beeilen. Morgen wird ein rot-weiß gestreifter Mast für ein Leuchtfeuer an der Brücke angebracht, da vorn rechts.«
 »Auf der Brücke? Wie ungewöhnlich. Ich dachte außerdem, es gibt hier schon ein Leuchtfeuer.«
 »Gibt es auch.« Mittlerweile waren sie ein Stück die Brücke entlanggegangen und standen auf Höhe der Wellenbrecher, die heute ihrem Namen alle Ehre machten. Gischt spritzte hoch, Wassertropfen funkelten in der Sonne, Schaum kreiste in der See. Kassandra drehte sich um, sodass der weite Strand links und rechts vor ihnen lag, und deutete nach rechts. »Ein ganzes Stück in die Richtung, noch weit hinter dem Windrad. Ursprünglich war der Bau auch eine Nebelstation, aber das Nebelhorn ist schon lange nicht mehr in Betrieb. Das Leuchtfeuer schon. Noch jedenfalls. Leider steht es an einer Stelle, die für den Küstenschutz problematisch ist, deshalb diskutieren wir in Wustrow seit einigen Jahren über einen anderen geeigneten Platz.«

 

Kassandra übertreibt hier nicht, wenn sie von einigen Jahren spricht. Das neue Leuchtfeuer an der Seebrücke ist auch eigentlich nur ein Notbehelf. Weil man sich nicht einigen konnte, wo und wie man es platziert, hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Stralsund die Entscheidung getroffen. Davor war vieles im Gespräch, z. B. es mit einem Café und/oder Museum zu verbinden und beides etwa auf der Höhe der Surfschule zu bauen. Bei den Diskussionen ging es teilweise recht hoch her, auch in Gemeindevertretersitzungen. Schon 2011 habe ich an einer teilgenommen, auf der das Thema war.

Ich bin gespannt, ob der derzeitige Mast, den nur wenige in Wustrow wollten, wirklich irgendwann einer endgültigen Lösung weicht oder ob er nun dort bleiben wird. Ob er schön ist oder nicht, darüber kann man sicher streiten. Eins ist er aber sicher in dieser Form: ein Alleinstellungsmerkmal für Wustrow - ich wüsste jedenfalls nicht, wo es so was an der deutschen Ostseeküste noch einmal gibt. Und genau deshalb hat er sich wohl auch zu einem beliebten Fotomotiv gemausert.