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Feuerherd und Birnbaum

»›Am Feuerherd. So nannte man die Stelle an diesem Birnbaum, der 1743 erstmalig urkundlich genannt wurde. Hier war der Ankerplatz der Wustrower Zeesen‹«, las ich halblaut die Tafel vor. »1743. Wahrscheinlich ist der Baum sogar eine ganze Ecke älter, wenn er da schon in einer Urkunde auftaucht. Wissen Sie, warum Carl ...«, ich zögerte, seinen Nachnamen zu nennen, und ließ es, »diesen Ort nicht mochte?«
 »Er hat nie was gesagt, ich hatte nur immer das Gefühl, er ging zu schnell daran vorbei.«
Ich betrachtete die Idylle, und mit einem Mal kam sie auch mir ein bisschen unheimlich vor, was weniger mit Carl Röwer zu tun hatte. Sondern mit dem etwa faustgroßen dunkelbraunen Fleck am rechten hölzernen Fuß der Bank.

 

Was dieser dunkelbraune Fleck bedeutet, wird sich später noch herausstellen - dass es Greta ein bisschen unheimlich wird, ist auf jeden Fall nicht ganz unberechtigt. Ansonsten aber ist das hier wirklich ein wunderschöner lauschiger Platz, an dem man sich gefahrlos niederlassen kann. Meistens. ;-)

 

Der Birnbaum steht von Wustrow aus kommend hinter der letzten der vier Barnstorfer Hufen, also hinter Hufe I. Dass am Feuerherd früher einmal die Zeesboote ankerten, kann man sich kaum noch vorstellen, weil das Bodden-Ufer vor lauter Schilf gar nicht unmittelbar zu sehen ist. Es war aber sicher dank des Birnbaums ein sehr romantischer Ankerplatz, und in meiner Phantasie brachten die Fischer im Sommer nicht nur ihren Fang mit nach Hause, sondern auch einen ganzen Korb voller herrlich praller Früchte.