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Teil 2 "Was beim Schreiben passiert" - Über das Autorendasein an sich und unter besonderer Berücksichtigung krimineller Fischländer Elemente

Im ersten Teil habe ich erzählt, wie ich begonnen habe zu schreiben und zu veröffentlichen - und wie ich schließlich den ersten Band ("Fischland-Mord") meiner Krimi-Reihe entwarf (von der ich damals noch nicht wusste, dass es tatsächlich eine Reihe werden würde). Der letzte Teil hörte mit diesen bedeutungsschwangeren Worten auf:

 

Dann fing ich endlich an zu schreiben. Und merkte relativ schnell, dass die Polizeistrukturreform nichts war im Vergleich zu der Reform, die meine eigenen und im wahrsten Wortsinn eigenwilligen Figuren von mir verlangten.

 

Da schließe ich direkt an:

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Allen voran dieser Fischland-Experte Paul Freese. Der wollte keine Nebenfigur bleiben. Der wollte mehr. Viel mehr. Er wollte Kassandra. Und Kassandra verschmähte plötzlich ihren attraktiven Nachbarn Jonas samt seinem Zeesboot. Sie fand ihn natürlich ganz nett – aber als Mann? Der geheimnisvolle Paul war doch weit spannender. Was war das eigentlich für ein Typ? Wieso konnte der zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit für sie tätig werden? Womit verdiente der eigentlich seine Brötchen? Das waren die Fragen, die Kassandra sich stellte, während sich Paul immer mehr in ihr Herz schlich, ohne dass sie es so recht merkte.

 

"Paul wäre äußerst unzufrieden mit mir, dachte sie, als sie aufgab, eine endgültige Antwort zu finden. Aber wenn er so gut im Beobachten ist, soll er mir doch sagen, was mit mir los ist! Fast war sie versucht, sich auf den Weg zu ihm zu machen - dabei wusste sie nicht mal, wo er wohnte. Gab es überhaupt irgendwas von Bedeutung, das sie über ihn wusste? Verdammt, Paul!"

 

Während sich Paul MIR immer mehr ins Herz schlich, stellte ich MIR eine ganz andere Frage: Wie mache ich aus Paul eine handlungstragende Figur? Antwort: Er tut etwas auf, das den Fall weiterbringt, und ist daher weit mehr im aktiven im Geschehen. Was er er auftut, nämlich ein bestimmtes Foto, entschied ich ganz spontan beim Schreiben - ohne wirklich zu bedenken, was das wiederum nach sich ziehen würde. Auf diesem Foto nämlich ist einer der beiden Polizisten zu sehen, die ja auch gegen Kassandra ermitteln.

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Damit war dann Schluss mit meinem ursprünglichen Vorhaben, die Polizei bei meinem Krimi mehr oder weniger außen vor zu lassen, denn es führte dazu, dass Kassandra und Paul - ja, Jonas auch noch, aber irgendwie nur mehr so nebenher - begannen, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Und letztlich alle vereint zur Lösung des Falles beitrugen. Und ganz am Ende bekommt Kassandra den zwanzig Jahre älteren Paul statt den attraktiven Nachbarn - und, ohne es zu diesem Zeitpunkt schon zu wissen, auch noch die Freundschaft eines Polizisten dazu.

 

Am eigentlichen Mordfall - Opfer, Täter, Verdächtige - hatte sich beim Schreibprozess zwar auch das eine oder andere, aber doch vergleichsweise wenig geändert. Alles andere hatte nicht mehr allzu viel zu tun mit dem, was irgendwann mal im Exposé gestanden hatte.

Nicht immer sind die Unterschiede zwischen Idee und fertigem Roman so eklatant. Aber diese Form von Kreativität ist mit das Reizvollste am Schreiben. Man kann zwar viel planen, aber es gibt auch immer wieder Überraschungen. Oder Dinge, die sich fügen und zusammenpassen, obwohl man sie nie so geplant hat.

Als ich das Exposé für die Krimi-Reihe schrieb, hatte ich noch kurze Ideenabrisse für Fall 2 und 3 eingereicht. Aus allem, was sich aber in und aus Fall 1 ergab, hat sich dann etwas völlig anderes entwickelt. Und manches habe ich wieder aufgegriffen, an das ich beim Schreiben von Band 1 nie gedacht habe - z. B. die Identität von Kassandras Vater. Ganz zu schweigen von dessen Verbindung zu dem Polizisten Kay Dietrich, der Kassandra zu Anfang so aggressiv für die Täterin hält.

Paul, Kassandra, ihr Onkel Heinz Jung (dass der ihr Onkel ist, ist im Übrigen ebenfalls eine Folge von Pauls Eingewilligkeit) und eben auch Kay Dietrich sind mittlerweile längst das, was ich als "meine Familie" empfinde. Ich möchte sie nicht missen, sie sind immer bei mir, selbst dann, wenn ich gerade nicht am Laptop sitze. Das gilt ebenso für die Barnstorfer Seite - für Greta und Matthias.

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Das Fischland selbst ist übrigens auch immer bei mir. Ich hab ja hier nicht nur diesen Autorenblog, sondern auch die Fischland-Liebe (Nachfolger von meinem "Fischland und Meer"-Blog) und bestücke sowohl meine Facebook-Autorenseite als auch meine Profile auf Facebook und auf Instragram mit vielen Fischland-Fotos.

 

Was mich ein bisschen weg von den Figuren hin zu dem führt, was mich am Fischland reizt bzw. für meine Romane inspiriert. Dass das die Landschaft ist, ist keine Frage. Das sieht man hoffentlich meinen Fotos an – nicht umsonst ist übrigens Kassandra im Laufe der Krimis zur Fotografin avanciert. Es ist aber nicht nur das äußerliche, sondern auch die Geschichte des Fischlandes und Wustrows, was mich immer wieder reizt.

 

Im folgenden dritten Teil dieses Berichts geht's darum speziell um die Inspirationen zu den jeweiligen Romanen.